Die hier vorgelegten Essays gelten in Japan als eine der wichtigsten kritischen Untersuchungen der intellektuellen Struktur des modernen Japan und sind gleichzeitig selbst ein bedeutendes Dokument der japanischen Geistesgeschichte nach dem Kriege. Masao Maruyama vertritt die These, wonach die Tatsache, dass sich in Japan keine Denktradition gebildet hat, die die Rolle einer Koordinatenachse für die verschiedenen Ideen hätte übernehmen können, und die Tatsache, dass das wichtigste Ideengut der Welt aus den letzten tausend Jahren fast vollständig im Vorrat der japanischen Geistesgeschichte vorhanden ist, als ein und derselbe Prozess zu begreifen sind. Der Titel Denken in Japan mag dem Leser zunächst etwas unklar erscheinen. Bewusst wurde die naheliegende, aber irreführende Übersetzung »Das japanische Denken« vermieden. Es geht hier nämlich nicht um einen Überblick über die japanische Geistesgeschichte, noch um eine Erörterung von historisch »unwandelbaren« Charakteristika des »japanischen Denkens«. Der Verfasser analysiert vielmehr einige zentrale Punkte der Situation des Denkens im modernen Japan und der geschichtlichen Voraussetzungen dieser Situation in ihrem strukturellen Zusammenhang.